Erntedank

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„Solange die Erde steht, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“, gab Gott Noah als Versprechen.

Selbst wenn wir uns noch so sehr bemühen: Wir haben die Schöpfung nicht unter Kontrolle, können Wachstum und den Erhalt der Natur nicht garantieren. Sie werden uns geschenkt. Deshalb gibt es das Erntedankfest.

Früher haben die Menschen für die Früchte der Felder gedankt, heute sagen sie Danke für alles, was sie „geerntet“ und geschenkt bekommen haben: Nahrung und Freunde, Wohnung und Kleidung, Gesundheit und Gelingen.

Der Dankaltar

Zum Erntedankfest werden in vielen Kirchen Dank-Altäre gestaltet: Erntegaben aus Garten und Feld werden zusammengetragen und um den Tisch gelegt, an dem die Christen miteinander und mit Gott das eucharistische Mahl feiern. Mit der Gestaltung des Altars bringen die Gläubigen zum Ausdruck, dass sie, neben der eigenen Arbeit, vor allem dem Schöpfer der Welt die Grundlage ihres Lebens verdanken. Sich an den Gaben zu erfreuen, dafür zu danken und sie schließlich miteinander zu teilen, darin zeigt sich: der Mensch ist gebunden an die Natur, an Gott und an die Menschen, mit denen er sein Leben auf dieser Erde teilt.

 

Die Erntekrone

In früheren Zeiten war es üblich, auf den Bauernhöfen oder in den ländlichen Dorfgemeinschaften beim Erntefest aus Ähren große Erntekronen zu binden und auf dem Dorfplatz oder in der Kirche aufzustellen. Die Krone, Symbol der Macht, war gebunden auf den Kranz. Ohne Anfang und Ende steht er als Zeichen der Ewigkeit, der Unendlichkeit. Die Vielzahl der gebundenen Ähren, die die Krone bilden, erinnerten die Menschen an ihre Abhängigkeit und ihr Gebundensein an die Natur. Ohne eine gute Ernte, ohne die unter harter Arbeit eingefahrenen Naturgüter, war kein Überleben im Winter möglich. So wurde die Macht der Natur im Symbol der Erntekrone dargestellt.

 

Erntedank - "Wir haben doch alles bezahlt!"

"Warum soll ich für die Ernte danken? Wir haben die Früchte und den ganzen Kram doch bezahlt!" Die Achtjährige starrt eigensinnig auf ihren kleinen mit Früchten gefüllten Korb. Am Vortag hat sie Möhren, Äpfel und Birnen zusammen mit der Mama auf dem Wochenmarkt gekauft. Und nun soll sie, und das dann sogar noch in der Kirche, dafür Dank sagen?

Das punktgenaue Abrechnen von Leistung und Bezahlung, von Produkt und Bilanz entspricht unserer heutigen ökonomisch orientierten Gesellschaft. Ich habe bezahlt, also habe ich einen Anspruch auf die Ware. Ein Vertrag zwischen zwei Parteien, von denen beide profitieren und bei dem keiner dem anderen etwas schuldig bleibt.

Aber dann laufen Berichte über Hurrikans über den Bildschirm, und die Klimaveränderungen führen auch hier in Deutschland zu Überschwemmungen und Verwüstungen. Und plötzlich wird bewusst: Der Mensch ist, trotz allen Könnens und allem Wissen, den Naturgewalten ausgeliefert. Das Leben lässt sich nicht vollständig durchkalkulieren und berechnen.

"Macht euch die Erde untertan", so fordert Gott die Menschen im Schöpfungsbericht auf.

Für Christen bedeutet das zum Einen:
· auszusteigen aus einer profitorientierten Kosten-Nutzen-Kalkulation,
· sich an den Gaben der Erde zu erfreuen, die Natur zu achten und sich ihren Regeln
  zu fügen,
· die Gaben und Güter der Erde miteinander - auch weltweit -- zu teilen
  und für Gerechtigkeit bei Produktion und Entlohnung einzutreten.

Zum anderen bedeutet es, dem Schöpfer der Welt zu danken:
· für die Gaben, die er in der Schöpfung der Natur Mensch und Tier zudachte und
· für die Freiheit, die er den Menschen gab mit dem Auftrag,
  diese Welt mit zu gestalten.

Im Idealfalle ist das Erntedankfest kein folkloristisches Fest ohne weitere Bedeutung für das Leben. Mit bewusstem Genuss der von Gott geschenkten Gaben, mit bewusstem Wahrnehmen der vielen dahinter steckenden Arbeit , mit bewusstem Einbeziehen weltweiter Geschwisterlichkeit kann es Mut machen für eine neue, lebenswertere und gerechtere Welt. Vielleicht sogar für eine Welt, in der für Terror, der erwächst aus Armut und Ungerechtigkeit, immer weniger Platz ist.

 

Segne, Vater, Herz und Hand

Segne uns mit der Weite des Himmels.
Segne uns mit der Wärme der Sonne.
Segne uns mit der Frische des Wassers.
Himmlischer Vater, segne uns!
Segne, Vater, tausend Sterne.
Segne, Vater, unsre Erde. Segne, Vater, Meer und Land.
Segne, Vater, Herz und Hand.

Segne uns mit dem Rauschen der Wälder.
Segne uns mit der Ernte des Feldes.
Segne uns mit der Kraft der Tiere.
Himmlischer Vater, segne uns!
Segne, Vater, tausend Sterne. Segne, Vater, unsre Erde.
Segne, Vater, Meer und Land.
Segne, Vater, Herz und Hand.

Segne uns mit den Träumen der Kinder.
Segne uns mit der Liebe der Eltern.
Segne uns mit den Geschichten der Alten.
Himmlischer Vater, segne uns!
Segne, Vater, Tausend Sterne.
Segne, Vater, unsre Erde. Segne, Vater, Meer und Land.
Segne, Vater, Herz und Hand.

(Verfasser unbekannt)


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Copyright © 2003 Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul
Stand: 01. September 2006