Engel - die Boten Gottes

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„Engeldarstellungen sind populär und beliebt. Andererseits glauben 58 Prozent der Katholiken ab 16 Jahre nicht an Engel oder sind unentschieden (Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2002).
Was hat es mit Engeln auf sich? Wie kann man sie verstehen?
Nach dem Katechismus der Katholischen Kirche ist die Lehre von der Existenz der Engel eine Glaubenswahrheit, die von der Bibel und von der Überlieferung bezeugt wird. Demnach sind sie Diener und Boten Gottes und unsichtbare Begleiter der Menschen.
Drei Engel werden in der Bibel besonders erwähnt: die Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Ihr Fest wird am 29. September gefeiert. Drei Tage später, am 2. Oktober, erinnert das Schutzengelfest an das Wirken der Schutzengel, die jeden Menschen in seinem Leben begleiten und vor Schaden bewahren."

Stichwort: Engel

Der Ursprung des Wortes "Engel" liegt im Griechischen ("angelos") bzw. Hebräischen ("mal'ak"). Es bedeutet übersetzt: Bote. Engel, in der Bibel meist "Männer" oder "Jünglinge", vermitteln zwischen Gott und den Menschen. Sie können als Heilsbringer, Wächter, Retter, Beistand, Schutzengel oder auch Todesboten auftreten, verkünden Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt Christi und führen als Seelengeleiter die Menschen nach dem Tod der Verdammnis oder der Seligkeit zu. Drei Engel werden in der Bibel besonders erwähnt: die Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Ihr Fest wird am 29. September gefeiert. Drei Tage später, am 2. Oktober, erinnert das Schutzengelfest an das Wirken der Schutzengel, die jeden Menschen in seinem Leben begleiten und vor Schaden bewahren. Nicht nur jeder Mensch, auch Königreiche und Staaten, Landstriche und Städte, Diözesen und Kirchen, Vereine und Familien haben ihren Schutzengel. 1670 legte Papst Clemens X. den Termin auf das heutige Datum. Die Tradition kennt auch gefallene Engel: Engel, die sich aus Stolz gegen Gott empörten. Der Satan trägt seinen Namen immer noch gemäß seiner ehemaligen Aufgabe im Himmel: Luzifer, das bedeutet Lichtträger.

aus: Engelstöne. Von himmlischen Boten und heimlichen Freunden. Begleitheft zur CD. Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, 2005.

 

Der Schutzengel

Nach einem Vortrag über Engel kam ein 10-jähriges Mädchen auf mich zu und fragte mich: "Glauben Sie wirklich, dass mein Engel mich nicht verlässt?" Ich antwortete: "Ja, das glaube ich." "Ja, aber auch dann, wenn ich böse bin...", bohrte es weiter. "Auch wenn du böse bist", gab ich zur Antwort. "Auch wenn ich immer wieder böse bin?" "Ja, auch wenn du immer wieder böse bist." Da fragte es ganz ernst: "Woher wissen Sie das?" Ich sagte: "Das steht so in der Bibel." Da ging das Mädchen getröstet weg. Es war ihm ganz ernst um diese Fragen. Die Begegnung mit diesem Mädchen beschäftigte mich noch lange auf der Heimfahrt. Warum war es für dieses Mädchen so wichtig, dass sein Engel es nicht verlässt? Vermutlich hat es daheim oft andere Botschaften gehört: "Du bist unmöglich. Mit dir kann es keiner aushalten. Du bist eine Zumutung." Da war es für das Mädchen wichtig zu hören, dass sein Engel es aushält, dass sein Engel sich nicht von ihm abwendet, sondern Geduld mit ihm hat.

Jeder Mensch hat einen Engel

Im Matthäusevangelium sagt uns Jesus, dass die "Engel der Kleinen" im Himmel stets das Angesicht des himmlischen Vaters sehen. Von diesem Wort Jesu her haben die Kirchenväter die Lehre vom Schutzengel entfaltet. Jeder Mensch bekommt mit seiner Geburt einen Engel zur Seite, der ihn begleitet bis zum Tod und ihn auch über die Schwelle des Todes in Gott hineinträgt. Für Kinder ist diese Vorstellung vom Schutzengel lebensnotwendig. Sie vermittelt ihnen, dass sie nie und nirgends allein gelassen sind, sondern geschützt, geliebt, begleitet und verstanden werden.

Aber wir dürfen die Vorstellung vom Schutzengel nicht zu naiv sehen, sonst würde uns jeder Unfall, jede Krankheit und jedes Sterben eines Kindes den Glauben an den Schutzengel zerstören. Der Schutzengel schützt uns nicht vor Unfall, vor Krankheit und vor dem Tod, aber ganz gewiss in der Krankheit und im Sterben. Unser innerster Kern bleibt geschützt.

Engel sind erfahrbar

Die Theologie sagt, dass Engel geschaffene geistige Wesen und personale Mächte sind. Das klingt sehr abstrakt. Aber geschaffene Wesen sind erfahrbar. Engel sind erfahrbar. Ein Mensch kann für uns zum Engel werden, wenn er uns im richtigen Augenblick beisteht. Ein innerer Impuls kann vom Engel kommen, der uns anregt, gerade auf diesen Menschen zuzugehen und ihn anzusprechen. Im Traum kann uns ein Engel erscheinen und eine Botschaft vermitteln. Engel können auch Lichterscheinungen sein. Und es gibt Menschen, die den Engel sehen können. Engel sind keine Personen, so wie Menschen es sind. Aber Engel schützen unsere Personwerdung. Das kleine Mädchen, das sich vom Schutzengel begleitet wusste - auch wenn es "böse" war -, zerfiel nicht in innere Zerrissenheit, in Selbstentwertung und Selbstverachtung. Der Engel half ihm, zu sich zu stehen und seine Person zu entwickeln.

Engel öffnen den Himmel über uns

Manche wollen genau wissen, wie Engel aussehen. Doch über Engel kann man nur schwebend sprechen, sonst fliegen sie weg. Wenn ich zu genau wissen will, wo mein Engel jetzt ist und wie er sich von andern Engel unterscheidet, dann entzieht er sich mir. Nicht umsonst haben die Künstler dem Engel Flügel gegeben. Engel sind unverfügbar - wie Gott. Und Engel sind leicht. Sie bringen die Leichtigkeit des Seins in unser Leben. Sie öffnen den Himmel über unserem Leben.

Die Engelgeschichten der Bibel zeigen uns, dass Gott in jede Situation unseres Lebens seinen Engel sendet: in die Ohnmacht und Angst am Ölberg, in die Verlassenheit von Hagar und Ismael in der Wüste, in den Feuerofen und in die Löwengrube, in der wir uns in den alltäglichen Konflikten oft vorfinden. Engel zeigen, dass Gott sich um uns kümmert, dass er einen Boten zu uns schickt, den wir erfahren dürfen.

Engel verhelfen zu einem positiven Selbstbild

Und Engel verhelfen uns zu einem positiven Selbstbild. Auch wenn wir nicht perfekt sind, dürfen wir oft genug für einen anderen zum Engel werden. Ich kann mir das nicht vornehmen. Der Engel wird mich aber durch einen leisen Impuls anstoßen, den andern anzusprechen, ihm beizustehen. Wenn ich diesem leisen Impuls folge, dann werde ich zum Engel für ihn. Ich kann mir dann aber nicht auf die Schulter klopfen und stolz darauf sein, dass ich ein Engel bin. Denn ich weiß, dass ich vom Wesen her kein Engel bin, sondern ein Mensch, durchschnittlich, egoistisch, fehlerhaft. Trotzdem sendet Gott auch mich zu einem Mitmenschen, damit ich in diesem Augenblick für ihn zum Engel werde. Dann erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit.

Und ich spüre, dass der Engel auch mein Leben heil und leicht werden lässt.

Anselm Grün aus: Engelstöne. Von himmlischen Boten und heimlichen Freunden. Begleitheft zur CD, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, 2005.

An die Engel meiner erwachsenen Kinder

Ich spreche mit den Engeln meiner erwachsenen Kinder:
Begleitet ihr sie immer noch?
Tragt ihr ihre Wünsche in euren Händen?
Wisst ihr etwas von ihrer kampferfüllten Einsamkeit?

Und wenn sie euch und das Leben verneinen,
wendet ihr euch ab und weint oder bleibt ihr bei ihnen?

Sie brauchen euch, mehr noch als damals, als sie klein waren,
sie brauchen euch verzweifelt.
Die Jugend ist die schwerste Zeit.
Alles soll von eigener Hand geschehen,
man muss sich freikämpfen,
alles selbst durchdenken
und von Engeln will man nichts wissen.

O Engel meiner erwachsenen Kinder!
Eine Mutter darf nicht länger eingreifen,
aber ihr dürft.
Eine Mutter kann nicht länger Ratschläge geben,
aber eure Weisheit kommt von Gott.

Bleibt bei meinen erwachsenen Kindern, ihr Engel!
Helft ihnen, durch das Dickicht zu wandern und den richtigen Weg zu finden,
ihren eigenen Weg!

Aus dem Schwedischen Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: Ich geb' dir einen Engel mit ... Erfahrungen mit einem Symbol, Andere Zeiten e.V., 2005, www.anderezeiten.de


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Copyright © 2003 Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul
Stand: 06. Oktober 2006